Der Sirup zur Gose: Noch ein sächsisches Originalprodukt
Es gibt drei Möglichkeiten, die Leipziger Gose zu trinken: Einfach so, wie sie aus der Flasche kommt. Mit der originalen Rittergutsgose aus Döllnitz kein Problem - sie schmeckt. Zweite Variante - insbesondere für die Herren: mit einem Schuss Kümmel oder Allasch. Die Damen lieben eher Variante drei: mit einem Schuss Sirup. Und damit nicht der Allerweltssirup aus dem Aromatank in die gute Gose kommt, hat sich Tilo Jänichen - Wiedererwecker der legendären Rittergutsgose aus Döllnitz - einen Partner gesucht in Sachsen: die für ihre Fruchtsäfte bekannte Firma Klaus aus Wurzen.
In der Firmenadresse steht natürlich Wurzen-Roitzsch, denn eigentlich ist das eingemeindete 600-Seelen-Dorf Roitzsch seit 30 Jahren Stammsitz des Fruchtsaftherstellers. Gegründet wurde die Firma 1934 von Arthur Klaus in Magdeborn. Ein verschollener Ort. In den 70er Jahren musste das einst für seine Erdbeeren berühmte Dorf im Leipziger Südraum einem Tagebau weichen und der kleine Familienbetrieb zog um nach Roitzsch.
Aus einst drei Beschäftigten sind heute zehn geworden. Das traditionelle Lohnmostgeschäft wird noch immer gepflegt. Wer einen Garten besitzt, kennt das noch: Im Herbst, wenn die Äpfel reif sind, wird die eigene Ernte zur Mosterei gebracht und man bekommt dafür dann seinen eigenen Apfelmost oder Apfelwein. Je nach Geschmack. Und weil die Leute nicht mehr gern mit dem Anhänger vorfahren, hat die Firma Klaus zwölf Sammelstellen von Krostitz bis Riesa eingerichtet. Bekannter geworden ist sie in den letzten Jahren freilich durch ihre breite Fruchtsaftpalette.
"Kleine Firmen wie unsere müssen auf Qualitätsprodukte setzen", sagt Christian Klaus, heute Chef des Familienunternehmens, "und auf eine breite Produktpalette, wie sie sich für große Hersteller nicht mehr lohnt." Also gibt es - neben Standards wie Apfel- und Orangensaft - auch Säfte von Quitten, Sauerkirschen, Johannis- und Stachelbeeren. Letztere in kleinen Chargen. Logisch: Wer erntet denn noch so pusselige Beeren?
Deswegen kommt zwar der Apfel aus Sachsen, die Beeren aber werden oft von polnischen oder tschechischen Betrieben geliefert. "Ein deutscher Landwirt könnte sich das gar nicht mehr leisten", sagt Christian Klaus. "Das ist schade, denn es setzt auch alten Tradition in unserem heimischen Obstbau ein Ende."
35 Produkte kann Klaus heute liefern. Die jüngsten im Programm sind die Sirupe, die ohne eine Anfrage vom Gose-Liebhaber Jänichen nicht so bald in Flaschen gekommen wären. "Aber wer Fruchtsaft herstellt, der kann auch Sirup machen", sagt der 57jährige Firmeninhaber.
Die Idee des Leipziger Gose-Enthusiasten fand er gut. Drei Geschmacksrichtungen entwickelte er - die traditionellen, versteht sich, jene zuckrigen Tropfen, die sächsische Damen schon vor 100 Jahren in ihr Glas Gose rinnen ließen: Himbeere, Waldmeister und Kirsch. Alle drei aus natürlichen Zutaten. Die Kirschen kommen direkt von Roitzscher Bäumen, die Himbeeren (siehe oben) aus Polen und das Waldmeisterkonzentrat aus Baden-Württemberg. Klaus: "Den Waldmeister bekommt man halt nicht auf natürliche Weise in der Geschmacks- und Farbkonzentration, wie er dann in den Flaschen ist. Da muss mit Aromen schon noch nachgeholfen werden."
Damit der Sirup dann auch zur Gose passt, haben Jänichen und seine Wurzner Zulieferer intensiv geprobt und verkostet. Der Zuckergehalt darf nicht zu niedrig sein, sonst ist es kein Sirup mehr. Aber wenn er zu hoch ist, schmeckt man Kirsche, Himbeere und Waldmeister nicht. Als alles passte, ging der Sirup in Produktion als Gose-Sirup in 0,75-Liter-Flaschen. Schon auf dem Etikett auch erkennbar als Partnerprodukt zur Döllnitzer Ritterguts-Gose. Wer den Sirup kaufen möchte, bekommt ihn auch in Leipzig. Einer der zwei Klaus-Söhne betreibt zwei Getränkemärkte in der Messestadt, einen in der Dankwartstraße in Lößnig und einen in der Schönauer Allee in Grünau. "Der hat natürlich alle Klaus-Produkte im Angebot", bestätigt der Vater.
Schwieriger ist es in Gaststätten, selbst wenn diese schon Ritterguts-Gose im Angebot haben. Gastwirte tun sich mit dem original sächsischen Sirup schwer, der - logischerweise - etwas teurer ist als der Sirup aus dem Discounter. Dass der nicht auch originale Fruchtsäfte als Grundlage haben kann, will Christian Klaus ja nicht bestreiten. Aber die stammen oft aus der Türkei, dem Nahen Osten und anderen Ländern, wo für die Erzeuger vor Ort nur Cent-Beträge abfallen. Eine Art modernen Kolonialismus, von dem viele Käufer nichts ahnen, wenn sie den "Billig, billig!"-Parolen folgen. Dass derart auch die heimischen Erzeuger an die Wand gedrückt werden, ist die nächste Folge.
"Ich jedenfalls", sagt Tilo Jänichen, "bin froh, dass ich heimische Partner gefunden habe, die mir mit ihren Produkten beim Comeback der Gose zur Seite stehen. Und der richtige Sirup gehört - nicht nur der Damen wegen - einfach dazu. Ich kenne auch männliche Genießer, die lieber Himbeer in ihr Glas tun als Allasch. Nicht jeder steht auf scharfe Sachen."
Ralf Julke
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