Pressemitteilung

LIZzy - Leipziger Online-Zeitung vom 18.12.2004


Leipziger Gose Teil 3: Gose-Kalender und Trinklust in Japan


Natürlich kann, wer seine Gose aus Leipzig trinken will, auch mal schnell nach Japan fliegen. Drei Tokioter Restaurants haben im November nämlich 800 Flaschen des Leipziger Nationalgetränks bei Tilo Jänichen bestellt. Die Flaschen waren noch im Schiff unterwegs, da ging die Erfolgsmeldung schon in die Welt. Ob die Japaner im "German Bar and Grill", im "Franziskaner" oder in "Die Wurst" tatsächlich auf den Geschmack kommen, bleibt abzuwarten.

"Wir werden es wissen, wenn sie ihre nächste Bestellung auslosen", meint Tilo Jänichen, der zum Anlass auch gleich ein paar T-Shirts drucken ließ mit rotem Schriftzug "Gose". In japanischen Schriftzeichen, versteht sich. "Sie werden mit dem Wort nicht viel anfangen können", meint Frank Heinrich, langjähriger Gose-Forscher und Berater für Tilo Jänichens Versuch, der altehrwürdigen Gose zu einem würdigen Comeback zu verhelfen. "Wie sollen sie auch wissen, dass die Gose eigentlich ein Flüsschen in Goslar ist und das Bier danach benannt wurde? Oder besser: die Biersorte."

Denn im Mittelalter war das Brauen nach Goslarscher Art in ganz Mitteleuropa verbreitet. Ein wenig den Anstoß gegeben dazu hatte Kaiser Otto der III., der das Bier auf seiner Pfalz in Goslar besonders schmackhaft fand. Erstmals urkundlich belegt ist der Name Gose aber erst für das Jahr 1332 in einem Schriftstück aus dem Kloster Ilsenburg. Das ist nicht weit von Goslar entfernt. Das Bier wurde damals in riesigen Fässern noch viel weiter transportiert. In Leipzig ist das Trinken von "Goslarisch Bier" für 1598 im Raths-Burgkeller nachgewiesen

Und in der Goethe-Zeit gab es so manchen Versuch, das Gose-Monopol der Eutritzscher Schänke zu brechen. Nicht unbedingt, um dem Mann das Geschäft zu verderben, sondern einfach, um den eigenen Gose-Durst endlich befriedigen zu können. Mit den napoleonischen Kriegen wurde Gose aus dem Preußischen so teuer, dass die Leipziger verzweifelt um Hilfe schrieen.

Die Hilfe wurde erhört: Seit 1824 belieferte die Rittergutsbrauerei Goedecke & Co. aus Döllnitz den Leipziger Markt. Auch zu Hochzeiten. Und die regelmäßig wiederkehrenden Messen waren solche Hochzeiten. Da hatte die Gose keine Chance mehr, in ihrer Flasche in aller Ruhe zu reifen. Sie wurde so frisch wie sie geliefert wurde, getrunken. Mit den bekannten Folgen für die Verdauung der durstigen Messegäste. Was ihr für alle Zeit den eingängigen Ruf verschaffte.

"Den sie nicht verdient", sagt Frank Heinrich. Gemeinsam mit Tilo Jänichen hat er für das Jahr 2005 nun den zweiten Gose-Kalender gestaltet, bestückt mit zahlreichen Bildern, die man so in diversen Gose-Schriften noch nicht gesehen hat, etlichen Fotos, die die Glanzzeit des Leipziger Getränkes wieder zum Leben erwecken.

Wer den Kalender erwerben möchte, wer Kontakt zu den Gose-Enthusiasten sucht oder wissen will, wo er die Gose bekommen kann, findet alle Informationen unter www.leipziger-gose.com



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