Leipziger Gose Teil 2: Der alte Dessauer und die Folgen
Was Tilo Jänichen brauchte, um wieder eine richtige Gose in Leipzig hergestellt zu bekommen, war eine kleinere Brauerei, die auch mal einen Bottich extra ansetzen konnte für ein spezielles Bier. Die fand er in der Familienbrauerei Bauer in der Ostvorstadt. Da kann er die benötigten Kapazitäten immer mal wieder bestellen. "Oder besser: Meine Mutter und mein Onkel kümmern sich darum", meint der 33-Jährige, dessen Hauptberuf als Steuerberater nicht viel Zeit lässt für die Liebe zur Gose. Wenn es dann aber um Werbung für das Steckenpferd geht, dann schenkt er gern den Feierabend her.
Immerhin erobert das nach Goedeckes Original-Rezeptur gebraute Bier eine Gastwirtschaft nach der anderen: In 70 wird es wieder ausgeschenkt. Auch in der bekanntesten, der Gohliser Gosenschenke "Ohne Bedenken", die Lothar Goldhahn 1983 wieder zum Leben erweckt hat. 1899 hatte Carl Cajeri, vorher schon Betreiber von Cajeris Gosenschenke, das Lokal eröffnet. Bis 1958 hatte es überlebt und war - mit dem Niedergang der Gose - ebenfalls "darniedergegangen".
Heute feiert es unter Hennebachscher Ägide seine Glanzzeiten als bekanntester Gosenausschank. Und liegt natürlich auch am Gosewanderweg, der von Halle grenzüberschreitend nach Leipzig führt mit 25 Gose-Gastlichkeiten auf beiden Seiten der Ländergrenze. Das hat auch mit Döllnitz zu tun, das - im Anhaltinischen gelegen - eine Gosetradition seit 1824 besitzt. Damals wurde die Rittergutsbrauerei gegründet, die über 100 Jahre lang das durstige Leipzig mit dem beliebten Getränk versorgte. Noch so ein Geburtstag, den zumindest die Döllnitzer in diesem Jahr gefeiert haben, indem sie sich zum Beispiel eine eigene Gosestraße schenkten.
Vor 1824 bekamen die Leipziger ihre Gose aus der im Dessauischen gelegenen Glauziger Brauerei. Das ging auf Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau zurück, der die Leipziger Biere für "ungenießbar" befand und sein Lieblingsgetränk 1738 erstmals nach Eutritzsch einführen ließ. Nicht ohne Grund: Das Dorf im Norden Leipzigs gehörte ihm. Und der Eutritzscher Schänke verpasste er das Alleinausschankrecht für ein Gebiet im Umkreis von zwei Stunden.
Wer also in Leipzig Gose-Durst bekam, musste sich nach Eutritzsch auf den Weg machen. Die Eutritzscher Goseschänke gelangte zu einem überegionalen Ruf. Auch Goethe soll in ihrem Garten gesessen haben. Das ist belegt. Immerhin besuchte er des öfteren seinen Zeichenlehrer Christian Gottlieb Geyser, der in Eutritzsch wohnte. Ob Goethe nun Gose trank, ist nicht belegt. Die Gosenschänke überlebte als Bauwerk bis in die 1990er Jahre, wurde dann durch einen Brand beschädigt und dann ganz abgerissen, um einem Altenheim Platz zu machen. Wer jetzt also in Eutritzsch Gosedurst bekommt, muss nach Gohlis wandern.
Lesen Sie Teil 3: Gose-Kalender und Trinklust in Japan (LIZzy 18.12.2004)
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