Pressemitteilung

LIZzy - Leipziger Online-Zeitung vom 16.12.2004


Leipziger Gose Teil 1: Fünf Jahre wieder daheim: Leipziger Gose nach Goedeckes Original


Die Gose ist "obergäriges Weißbier aus Gersten-, Weizen- und Hafermalz, aber wenig Hopfen", meint das Lexikon. Die Gose ist auch ein Leipziger National-getränk. Die Gose ist auch ein Stehaufmännchen. In diesem Jahr feiert das Bier das fünfte Jahr seiner Auferstehung. Heimlich, versteht sich. Mit Gose gewinnt man keine Olympischen Spiele. Dass das einzigartige Bier heuer wieder in 70 Gaststätten zu haben ist, verdankt die Stadt dem Steuerberater Tilo Jänichen.

Na gut, Tilo war noch kein Steuerberater, als er Mitte der 1990er Jahre anfing, nach dem Ur-Rezept für das einst so beliebte Obergärige zu fahnden. Irgendwie musste das ja funktionieren, auch wenn es in Leipzig seit 1966 keine Gose mehr gab. Sie war aus der Mode gekommen. Schuld daran war die Einführung moderner Braumethoden in den deutschen Brauereien. Untergärige Biere ließen sich besser im industriellen Maßstab herstellen, ihre Produktion war auch nicht so langwierig. Nur die Süddeutschen behielten das Obergärige als Hauptgetränk, aber eben als Weißbier.

"Das ist schon etwas anderes, das schmeckt man leicht", sagt Tilo Jänichen. "Aber natürlich wird jeder, der wieder Gose haben will, mit einem süddeutschen Brauer am ehesten ins Geschäft kommen." Deswegen gab es zwar in der Gosenschenke "Ohne Bedenken" auch vor 1999 Gose auf der Getränkekarte - es war aber eher ein bayerisches Weißbier, für süddeutsche Gaumen ein alter Bekannter. "Richtige Gose war das aber nicht", sagt Jänichen, der lange versuchte, auf dem Experimentierweg dem Geheimnis der Gose auf die Spur zu kommen.

Es gab zwar alte Überlieferungen. Aber alle Gerüchte besagten auch, dass die Braukunst mit ihren letzten Braumeistern ausgestorben war. Denkste, sagte das Schicksal. Denn Adolf Goedecke, Sohn des letzten Braumeisters der Döllnitzer Rittergutsbrauerei Goedecke & Co. war - nach 45 Jahren in Südamerika - in die alte Heimat zurückgekehrt. Er kannte das alte Rezept noch und fand Jänichens Experimente ganz interessant. Die beiden brauchten eine Weile, um sich zu beschnuppern. Am Ende fanden sie zueinander und Goedecke half dem Gose-Enthusiasten, die Gose-Herstellung in Leipzig wieder in Gang zu setzen.

Am 9. September 1999 wurde das erste obergärige Bier hergestellt im Gasthof "Zum Kaiser Napoleon". Der Neubeginn war ein Erfolg. Der nur dadurch gebremst werden konnte, dass der Gasthof in die Pleite rasselte. Was nicht am Gasthof lag. Wer ihn besucht hat, weiß um sein unverwechselbares Flair. Nur liegt er halt da, wo heuer Leipziger Gastlichkeit nicht gesucht wird: in Probstheida. Schade um den guten Anfang.

Ein Versuch, eine Brauerei im Leipziger Umfeld zu finden, die Gose herstellte, ging geschmacklich völlig in die Hose. "Solche Ausflüge konnten wir uns einfach nicht leisten", erklärt Jänichen, der seinen ganzen Hobby-Ehrgeiz darein setzte, das historische Getränk in alter Qualität herauszubringen. Aber wohin wenden, wenn in Leipzig eh schon Gose ausgeschenkt wird, die eigentlich ein Weißbier ist?

Lesen Sie Teil 2: Der alte Dessauer und die Folgen (LIZzy 17.12.2004)



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