Pressemitteilung

Mitteldeutsche Zeitung vom 31.08.2004


Hallesche Straße weicht Bier

180-jährige Brautradition gefeiert - Maler Hans Rothe wird erster
Ehrenbürger


Döllnitz/MZ. Zu gut und zu gesund ist wohl dieses Gose genannte obergärige Bier, der Berliner Weißen ähnlich, als dass man am regionalen Ursprungsort des Getränks wegen eines Regenschauers den Festplatz verlassen würde. So zu erleben am vergangenen Samstagnachmittag in Döllnitz. Das geschichtsträchtige Dorf, einst im Saalkreis eingebunden, gehört bekanntlich als Mitglied der Einheitsgemeinde Schkopau seit 1. August zum Kreis Merseburg-Querfurt.

Und es setzte anlässlich seines Gosefestes, das zur 180-jährigen Brautradition des Bieres erstmalig gefeiert wurde, gleich zwei eindeutige Zeichen zum Thema neue Zugehörigkeit. Ein Zeichen ist eine Art Brückenschlag und das andere so etwas wie ein Brückenabriss. Letzteren vollzog der Nachkomme jenes Rittergutsbesitzers Goedecke, der 1824 einen Goslaer Braumeister mitsamt des Gose-Braugeheimnisses nach Döllnitz importierte und fortan "Goedeckes Döllnitzer Ritterguts-Gose" an den Mann und wohl auch die Frau von Halle bis Leipzig brachte.


"Damit ist auch offiziell der Bruch mit Halle vollzogen."
Günter Sachse, Bürgermeister


Adolf Goedecke, der heute als Biobauer auf einst familieneigener und nun gepachteter Scholle in der Region tätig ist, wirkte bei dem "Brückenabriss" im Auftrag von Bürgermeister Günter Sachse als kompetenter Erfüllungsgehilfe. Pardon: Enthüllungsgehilfe. Den sich langsam entfesselnden Naturgewalten in Gestalt einer Regenhusche mannhaft ausgesetzt, zog Goedecke, sekundiert von Sachse, geradezu genüsslich langsam eine Stoffhülle von einem Schildchen. Zum Vorschein kam "Gosestraße". Darüber ein gleich großes Schildchen mit "Hallesche Straße". Das allerdings durchgestrichen. "Damit ist auch offiziell der Bruch mit Halle vollzogen, in das wir uns nie haben eingemeinden lassen wollen", verkündete der Bürgermeister unter dem Beifall der zahlreichen Gäste auf dem Festplatz an der Döllnitzer Kirche.

Viel Beifall gab´s in der schmucken Heimatstube im Kulturgarten nebenan kurz vorher. Beim eigentlich ersten Zeichen zum Thema neue Zugehörigkeit. Zum ersten Ehrenbürger von Döllnitz wurde der Maler Hans Rothe ernannt. Mancher fragte sich, wie das geht. Rothe wohnt und arbeitet immerhin in Burgliebenau. Bürgermeister Sachse klärte das schnell auf. Nicht etwa mit dem Hinweis, dass man ja nun auch enger mit Burgliebenau verbunden ist (obwohl das auch mitschwang). Nein, Rothe sei gebürtiger Döllnitzer und habe sich mehrfach um den Ort verdient gemacht, hob Sachse hervor. Das 180-Jährige der Brautradition und die beiden Hauptereignisse des Festes waren dann auch Anlass für die vielen Gäste, reichlich der (noch aus Leipzig importierten) Gose mit und ohne Schuss zuzusprechen.

Immerhin sei das Getränk ja gesund, wie ein altes Werbeplakat für "Goedeckes Döllnitzer Ritterguts-Gose" verkündet: Ein 84-Jähriger in Gehrock und Zylinder mit schäumendem Bierhumpen und Zigarre nach 50-jährigem Gosegenuss.



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