Gose-Wanderweg: Vorwort

 

Dass das Wandern eine Lust sei, ist uns so geläufig, wie das dem guten Wilhelm Müller auf den Leib geschriebene Lied. Gleichwohl ist es doch merkwürdig, was uns einen Fußmarsch zur Lust werden lässt. Dies kommt daher, weil ja zunächst die Lust an sich ein hochgradig merkwürdiges Phänomen ist. Wir haben sie nur, wenn sie uns übermannt. Sie überkommt uns. Aber nicht von irgendeiner Seite, sondern aus der unserem Bewusstsein ganz und gar unzugänglichen Tiefe unseres Lebensgrundes. Was nun die Wanderlust also solche angeht, ist sie von einer ganz besonderen Art. Denn die Lust unterwegs zu sein, scheint nicht zuletzt dem Bedürfnis Rechnung zu tragen, unseren Gedanken zuweilen freien Lauf zu lassen. Meist kommen uns die besten Einsichten eher beiläufig und so ist denn auch die Beiläufigkeit guter Gedanken eine hinreichende Rechtfertigung des Müßiggangs und seiner schönsten Form: der Wanderung.


Gose-Wanderweg 2012


Der Weg, auf den wir Sie schicken, ist vordergründig betrachtet eine Kneiptour. Aber da die Gose kein Allerweltsbier ist, ist auch der Gose-Wanderweg nicht eigentlich ein Biermarathon, sondern vielmehr eine Entdeckungsreise. Die Wiederentdeckung und Renaissance der Gose verdanken wir dem unzeitgemäßen Versuch, daran zu erinnern, dass sich die Eigenart eines Landstriches ehedem kosten und schmecken ließ. Der Weg führt durch die breiten Auen, die den Raum um Leipzig, Merseburg und Halle prägen und landschaftlich verbinden. Der Blick für die gewachsene Verbindung dieses Raumes bricht sich freilich an der Landesgrenze, die ihn durchschneidet. Dass die Merseburger vor zweihundert Jahren Sachsen waren wie die Leipziger auch, scheint aus dem allgemeinen Bewusstsein gewichen und ist doch wahr; und dass nicht geringe Teile des heutigen Leipziger Stadtgebietes bis 1815 von Merseburg aus regiert wurden, ja das Leipzig selbst, nach mehrfach bestätigtem kaiserlichen Schiedsspruch den Bischöfen von Merseburg untertänig sein sollte, kann die bürgerstolzen Leipziger nur kränken, wenn sie nichts von der hohen Würde Merseburgs wissen. Zeit, die Zusammengehörigkeit des Städtedreiecks neuerlich zu entdecken ist es aber, hohe Zeit sogar. Dass ein Bier dieser Entdeckung Vorschub zu leisten vermag, scheint etwas vermessen, ist es aber nicht. Denn mit dem für sie typischen Geschmack findet eine Region durchaus wieder Lust an und auf sich selbst.






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